Karies

 Ursachen
Karies ist eine komplexe, chronische Erkrankung, die durch das Zusammenwirken von kariesauslösenden Mikroorganismen der Plaque (Zahnbelag, Biofilm), unzureichender Mundhygiene und häufigem Konsum von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln entsteht. Die Karies verursachenden Mikroorganismen im Biofilm vergären die mit der Nahrung aufgenommenen Zuckerarten. Die dabei entstehende Säure greift den Zahn an und führt zur Auflösung des Zahnschmelzes, bis ein Loch entsteht. Patienten mit Allgemeinerkrankungen sind besonders Karies gefährdet, da viele Medikamente Auswirkungen auf die Mundhöhle haben und vielfach die Schutzfunktion des Speichels reduziert ist.


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Frühkindliche Karies

Die frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) ist eine besonders schwere Form der Karies, die die Kleinkinder bereits kurz nach dem Durchbruch ihrer ersten Milchzähne befällt und zur völligen Gebisszerstörung führen kann. Die Frühkindliche Karies ist auch bekannt unter den Begriffen Early Childhood Caries, Nursing Bottle Syndrom, Baby Bottle Tooth Decay, Breast Milk Tooth Decay, Infant Tooth Decay oder Nuckel- und Saugerflaschenkaries.

Eine der Hauptursachen für die Zerstörung der Milchzähne ist die ständige Verfügbarkeit und Selbstbedienung der Saugerflasche und die damit verbundene stetige Umspülung der Zähne mit gesüßten oder säurehaltigen Getränken über den Tag verteilt aber vor allem in der Nacht. Das Krankheitsbild wird ebenso durch nächtliches Dauerstillen ausgelöst und wenn die Mundhygiene durch die Eltern vernachlässigt oder gar nicht durchgeführt wird.

Zucker- und säurehaltige Medikamente, wie Hustensirup, Antibiotika-haltige Säfte und bestimmte Asthmamittel, die über einen längeren Zeitraum verabreicht werden oder Mundtrockenheit verursachen, können den Prozess beschleunigen. In Folge der raschen Kariesausbreitung zeichnen sich für die Lebensqualität, die Zahn- und Allgemeingesundheit des Kindes nachhaltige Schäden ab. Die betroffenen Kinder leiden unter Zahnschmerzen, Ess- und Sprachproblemen sowie Fehlentwicklungen und einem erhöhten Kariesrisiko im bleibenden Gebiss. Die zerstörten Milchzähne müssen häufig gezogen werden und entfallen als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Dieser vorzeitige Zahnverlust begünstigt Zahndurchbruchsstörungen und Fehlstellungen der nachfolgenden bleibenden Zähne.


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Prävention/Prophylaxe

"Verhüten ist besser als Heilen". Karies ist eine vermeidbare Erkrankung. Eine gute und effiziente Mundhygiene, zahn- und allgemeingesunde Ernährung und eine adäquate Zufuhr von Fluoriden sind die klassischen Säulen der Kariesprävention. Zusätzlichen Schutz bieten die Versiegelung der Fissuren und Grübchen der bleibenden Backenzähne.

Wichtig für die Erhaltung der Zahngesundheit ist:

  • Zahnarztbesuch nach Durchbruch des ersten Zahnes
  • Ernährungsberatung der Eltern zur Unterbindung der frequenten Verabreichung süßer und/oder erosiver Getränke
  • Beratung der Eltern zur Vermeidung einer frühen Transmission kariogener Keime
  • Tägliches Zähneputzen mit einer Fluoridzahnpaste
  • Zweimal jährliche Applikation eines Fluoridlackes durch den Zahnarzt
  • Fissurenversiegelung der kariesanfälligen Kaufläche der bleibenden Backenzähne

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Zahnarztbesuch

Der ideale Zeitpunkt für die Erstvorstellung beim Zahnarzt ist nach dem Durchbruch der ersten Milchzähne des Kindes. Der Zahnarzt kontrolliert die regelrechte Gebiss- und Kieferentwicklung des Kindes und führt eine Beratung der Eltern zur Ernährung, Mundhygiene, Keimübertragung und Fluoridzufuhr durch.

Eine frühzeitige Gewöhnung an Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt schafft eine vertraute Atmosphäre und ist Voraussetzung für die spätere Zahnbehandlung ohne Angst. Durch die Bestimmung des Kariesrisikos des Kindes werden adäquate Kontrollintervalle festgelegt. Die Gebissentwicklung des Kindes bedarf der regelmäßigen Kontrolle, um Zahn- und Kieferprobleme frühzeitig erkennen und behandeln zu können.


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Mundhygiene

Für eine gesunde Zahn- und Gebissentwicklung sollte mit der Zahnpflege ab dem ersten Milchzahn begonnen werden, um die Kinder frühzeitig an das Ritual der täglichen Zahn- und Mundhygiene zu gewöhnen. Bis zum 2. Geburtstag sollten Eltern 1xtäglich, abends nach dem Essen und ab dem 2. Geburtstag 2xtäglich, früh und abends nach dem Essen mit einer Kinderzahnbürste und fluoridhaltiger Kinderzahnpasta ihren Kindern die Zähne putzen. Ab dem 6. Geburtstag empfiehlt sich die Verwendung einer fluoridhaltigen Junior- oder Erwachsenenzahnpasta.

Bis zum 8. Geburtstag sollten die Zähne des Kindes durch die Eltern nachgeputzt werden. Regelmäßiges Putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta entfernt die Zahnbeläge und bringt Fluorid direkt an die Zahnoberfläche. Fluoridreicher Zahnschmelz ist widerstandsfähiger gegenüber Säureangriffen aus der Nahrung oder den bakteriellen Säuren der Zahnbeläge.

Das Anfärben des Zahnbelages ist für die Kontrolle der Mundhygiene und für das gemeinsame Training zur Verbesserung der Mundhygiene mit den Eltern und dem Kind beim Zahnarzt hilfreich. Eine regelmäßig durch den Zahnarzt durchgeführte professionelle Zahnreinigung (PZR) wirkt unterstützend. Bei einer PZR werden alle Zahnbeläge, Zahnstein und Verfärbungen der Zähne entfernt. Bei Vorliegen von weißen kreidigen Veränderungen am Zahn (beginnende Karies oder Initialkaries) oder bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko findet eine halb- bis vierteljährliche Fluoridlacktouchierung durch den Zahnarzt statt.

 


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Füllungstherapie

Bei Vorliegen von Zahnschäden oder Strukturstörungen der Zähne ist eine Füllungstherapie indiziert. Diese wird nach Möglichkeit minimal invasiv und schonend durchgeführt, um möglichst viel Zahnsubstanz zu erhalten. Bei Kindern hat sich die Verwendung von adhäsiven Füllungsmaterialien zur Versorgung des Milch- und bleibenden Gebisses bewährt. Nach Entfernung der Karies und Reinigung des Zahnes erfolgt eine sog. Konditionierung oder Vorbehandlung der Zahnoberfläche. Watterollen, die der Zahnarzt neben dem Zahn platziert, dienen der Trockenlegung. In Abhängigkeit von der Lage und Ausdehnung der Zahnzerstörung wird zusätzlich ein kleiner "Gürtel", eine sog. Matrize um den Zahn gelegt. Diese sorgt für einen guten Randschluss und Dichtheit der Füllung. Nach diesen Schritten appliziert der Zahnarzt das Füllungsmaterial, einen Kunststoff, der anschießend mit Licht gehärtet wird. Ist die Füllung fertig ausgearbeitet, folgt eine Politur. Abschließend wird der sog. Biss, mit einem Blaupapier (Okklusionsfolie) überprüft und mögliche Überschüsse entfernt. Fertig!


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Wurzelkanalbehandlung

Der behandelnde Zahnarzt hat an Ihrem Zahn

    • eine Entzündung der Zahnpulpa (= Zahnnerv)
    • eine Nekrose der Zahnpulpa (= abgestorbener Zahnnerv)
    • eine periapikale Parodontitis (= Entzündung an der Wurzelspitze)
    • eine insuffiziente (unzureichende) Wurzelkanalbehandlung

festgestellt, die eine Wurzelkanalbehandlung zur Zahnerhaltung notwendig macht.

Hierbei wird das Wurzelkanalsystem erweitert und das erkrankte Gewebe entfernt. Ist die Pulpa noch nicht vollständig abgestorben, wird sie zuvor mit einer Anästhesie betäubt. Eventuelle Unverträglichkeitsreaktionen bei früheren Lokalanästhesien (Betäubungsspritze) teilen Sie uns bitte unbedingt mit. Im Laufe der Wurzelkanalbehandlung müssen mehrere Röntgenbilder angefertigt werden. Spezielle antibakterielle Maßnahmen reduzieren bzw. beseitigen die Bakterien, die in der Regel die Ursache der Erkrankung sind. Anschließend wird eine dichte Wurzelkanalfüllung in den Zahn eingebracht und dieser abschließend mit einer dichten Füllung versorgt.

Durch diese Maßnahmen soll der natürliche Zahn möglichst lange erhalten bleiben und ggf. als Pfeilerzahn für eine anschließende prothetische Versorgung zur Verfügung stehen. Bei der Wurzelkanalbehandlung handelt es sich um den Versuch, den kranken Zahn zu erhalten. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen jedoch trotz des Einsatzes hochwertiger Materialien und Behandlungstechniken kein Zahnarzt geben. Es kann trotz größter Sorgfalt zu Misserfolgen und Zwischenfällen kommen, wie

    • anhaltende Beschwerden
    • einer Fraktur des Zahnes
    • Verbringen von Fremdkörpern, Füllungsmaterialien oder Spüllösungen über die Wurzelspitze
    • einer Fraktur von Aufbereitungsinstrumenten
    • unzureichender Möglichkeit der Desinfektion oder Instrumentierung des Wurzelkanalsystems
    • Perforation des Zahnes
    • Unverträglichkeitsreaktionen auf verwendete Materialien

Daher ist eine Wurzelkanalbehandlung immer als Versuch anzusehen, den Zahn zu erhalten!


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